Maute: „Buh-Rufe galten der Situation“

HAMBURG – Es war der unschöne Höhepunkt eines wahnsinnig spannenden Duells. Im Zweier Elite wurden bei der vergangenen deutschen Hallenradsport-Meisterschaft in Hamburg zwei Titel vergeben.

Die Siegerehrung, bei der Max Hanselmann und Seravin Schefold (RV Öhringen) und Titelverteidiger André und Benedikt Bugner (RSV Klein-Winternheim) gemeinsam das DM-Trikot und Gold erhielten, wurde von Buh-Rufen und Pfiffen des Publikums überschattet.

„Das fand ich auch sehr traurig, denn das wurde der Leistung der beiden Paare überhaupt nicht gerecht“, urteilte Bundestrainer Dieter Maute (Albstadt) nun in einem Interview mit der Allgemeinen Zeitung Mainz.

„Vielleicht hatten die Zuschauer in der Halle zu wenig Informationen zu dieser Entscheidung erhalten, auch wenn ihnen mitgeteilt worden war, dass eine Fehlinformation des BDR zu der Entscheidung führte“, schätzte Maute ein. „Die Frage ist, ob sich die Buh-Rufe gegen die Bugners oder die Situation richteten. Und ich denke eher, dass sie der Situation galten.“

HRS-Livetickerfee Carolin Huber meldete sich ebenso noch einmal zu Wort. Sie hatte in ihrem letzten Post von der DM im Bezug auf den Protest der Bugner-Brüder geschrieben: „Ein Protest also, der in der Sache durchaus sehr gerechtfertigt sein mag. Aber das Publikum hat das Gefühl, dass da einfach zwei Weltmeister schlechte Verlierer sind.“

Mit etwas Abstand sagte Huber nun: „Ich hatte mich vor der Siegerehrung eigentlich schon in den Feierabend verabschiedet und wurde von der Situation vollkommen überrascht. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, mich nicht genug von den Pfiffen distanziert zu haben – natürlich ist sowas unerträglich für die Sportler! Dem anwesenden Publium – das zu diesem Zeitpunkt keiner über die genauen Hintergründe informiert hatte – jetzt aber per se jegliche Sportlichkeit abzusprechen, halte ich nicht für fair.“

Zwei Titel – kein Happy-End

Beide Paaren war am Sonnabend offensichtlich die Feierlaune genommen. Die zunächst eingefahrene Niederlage war für die Bugners „natürlich eine große Enttäuschung“.

Auf ihrer Homepage schrieben sie: „Mit dieser Situation ist keiner von uns glücklich. Der Sieger sollte auf der Fläche ermittelt werden und nicht an einem Tisch. (…) Welche Szenen sich dann bei der Siegerehrung ereignet haben, haben uns als Sportler sehr hart getroffen. (…) Etwas Schlimmeres gibt es nicht für einen Sportler. Wir hoffen, dass wir diese Momente schnell aus unseren Köpfen bekommen, um in unsere Vorbereitung zur WM zu starten.“

Auch Schefold/Hanselmann bezogen schriftlich Stellung, teilten via Facebook mit: „Auch wenn wir mit dem Protest des Team Bugners, der Entscheidung von Seiten des BDR und der Gesamtsituation nicht zufrieden sind und es sicherlich unangenehm für alle Beteiligte ist, haben wir das Ergebnis akzeptiert. Traurig ist auch, dass die moralisch fragwürdige Entscheidung sowohl unseren Erfolg schmälert, als auch die anderen fairen Titelkämpfe in den Hintergrund geraden lässt. Schade jedoch, dass es in unserem sonst so harmonischen Sport so weit kommen muss. Wir stehen nicht dahinter, dass Sportler, die solche sportlichen Leistungen erbringen, ausgebuht werden. Trotzdem sehen wir uns durch die Stimmung der Zuschauer in unserer Ansicht bestätigt. (…) Gerne sind wir bereit über dieses Thema weiter offen zu reden, dass sich die Emotionen bald wieder beruhigen und sich keine zwei Lager in der Kunstradfamilie bilden.“

Zunächst hatten sich die Herausforderer Hanselmann/Schefold am Samstagabend im Finale einer fehlerfreien Kür und 160,37 Punkten Gold gesichert – der erste DM-Titel ihrer gesamten Karriere.

Denn die Titelverteidiger André und Benedikt Bugner patzten und kamen nur auf 158,90 Zähler.

Doch den vierfachen Weltmeistern wurden offensichtlich zu Unrecht zwei Punkte abgezogen. Die Bugners erklären: „Wir haben wie in der Vorrunde eine Coaching-Zone genutzt, die vom technischen Leiter des Wettkampfes genehmigte wurde. Jedoch erhielten wir für das falsche Lagern des Rades, in der auf einmal unzulässigen Zone, einen Sturz.“

Dagegen legten sie Protest ein, dem stattgegeben wurde. Mit den zusätzlichen Zählern lagen die Bugners dann in der Endabrechnung 57 Hunderstel vor Hanselmann/Schefold.

Da das Ergebnis und der Sieg von Schefold/Hanselmann aber nicht veränderbar waren, wurde entschieden, dass es zwei deutsche Meister geben wird.

(Text: Stefan Thomé/Fotos: DieSportfotografen)

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Das ganze Interview mit Bundestrainer Dieter Maute: Kunstrad-Bundestrainer Dieter Maute: Buh-Rufe bei Siegerehrung der DM galten eher der Situation als den Bugner-Brüdern (Allgemeine Zeitung, 26.10.2017)

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So sieht Junioren-Bundestrainer und Vorsitzender des Radsportverbandes Rheinhessen Marcus Klein (Worms) die Entscheidung: Hallenrad-DM: Rheinhessischer Radchef Marcus Klein sieht Jury-Urteil im Kunstrad-Zweier als gerecht an (Allgemeine Zeitung, 22.10.2017)

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Kunstrad-Duo André und Benedikt Bugner vom RSV Klein-Winternheim erlebt bei Hallenrad-DM eine traurige Siegerehrung (Allgemeine Zeitung, 22.10.2017)

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