WM 2018: Comeback fürs Heimspiel

15 Jahre ist sie her, seine bisher letzte Teilnahme an der UCI-Hallenradsport- Weltmeisterschaft. Géry Covent vom SCN Gent (Belgien) startete 2003 in Schiltigheim bei Straßburg (Frankreich) letztmals an den Titelkämpfen.

Der damals 21 Jahre alte Kunstradfahrer erreichte 289 Punkte und Platz neun. Viermal hatte er Belgien bei den Weltmeisterschaften vertreten. Erstmals 2000 als U19-Junior. Zweimal Platz zwölf, einmal Rang zehn und zuletzt eben Platz neun. Dann war schon früh Schluss mit Kunstradfahren als Wettkampfsport.

Mittlerweile ist Géry Covent zweifacher Familienvater. Und sportlich mehr auf dem Rennrad unterwegs. Mit seinem Sohn Yunes zeigt er sich gern in der belgischen Domäne Cyclocross.

Doch die erste UCI-Hallenradsport-Weltmeisterschaft im eigenen Land seit 1986 hat den heute 36-jährigen zum Comeback motiviert. Im Herbst 2017 startete er mit dem ersten Training, im  Januar machte Covent seine Rückkehr aufs Parkett auf einer eigenen Facebookseite öffentlich und begrüßte dort seine Follower: „Hallo, wie die meisten wissen, bin ich wieder im Kunstradtraining.“ Sein klares Ziel: „Die WM-Teilnahme in Liège Ende dieses Jahres.“

Ein in seinem Land relativ leicht zu realisierendes Unternehmen, mag man meinen. In Belgien gibt es derzeit nur einen weiteren Kunstradfahrer in der Männerklasse. Pro Nation dürfen zwei Starter antreten. Der WM-Platz war also von vornherein so gut wie sicher.

„Aber in 15 Jahren hat sich doch einiges geändert“, weiß Covent. 2007 wurde die Fahrzeit von sechs auf fünf Minuten verkürzt, gleichzeitig die maximale Übungszahl auf 30 Elemente erhöht und neue Punktwerte vergeben. Sein Sport ist schneller und athletischer geworden, das Niveau der internationalen Konkurrenz deutlich gestiegen.

Doch davon ließ sich Covent nicht abhalten. Akribisch bereitet er sich vor. Er baut auf das Repertoire, das er als junger Mann einst gelernt hat. Seinem Rad verpasste er selbst ein neues Design. Im März wurde er auf Anhieb belgischer Elite-Meister – erstmals in seiner Kunstradlaufbahn. Den nationalen Rekord verbesserte er auch sehr schnell.

Doch es folgten Rückschläge. Bei seinem ersten internationalen Auftritt, bei der erstmals ausgetragenen Elite-Europameisterschaft in Wiesbaden, war Covent Anfang Juni fast mehr zu Fuß als auf dem Rad unterwegs. Rang 13 – und damit Letzter. Wenige Tage später dann der Schock: Fußbruch nach einem Trainingssturz, sechs Wochen Gips. Ein Tiefpunkt.

Ist damit sein Traum von der Heim-WM geplatzt? Nein! Nach zweieinhalb Monaten nahm Covent sein Projekt UCI-WM 2018 wieder auf.

„Jetzt arbeite ich hart zusammen mit Lorenzo Vandorpe“, verkündete Covent. Vandorpe ist der zweite belgische Kunstradfahrer, der in den vergangenen Jahren alleine die nationalen Farben im Männerbereich hochhielt.

Die WM-Qualifikation gelang Covent letztlich mühelos. Zuletzt untermauerte er Anfang November beeindruckend seine gute Form, steigerte mit 119,77 Zählern zum wiederholten Mal den belgischen Rekord.

Ein Ergebnis, dass ihm in Liège am Ende erneut in die Top-Zehn führen könnte. In der WM-Startliste wird er aufgrund seines Ausgangswertes von 139 Zählern auf Platz zwölf geführt. „Aber Hauptsache, mein Traum wird wahr und ich zeige eine gute Kür“, freut sich Covent auf sein Heimspiel.

Neben Covent und Vandorpe bei den Männern schickt WM-Gastgeber Belgien nur drei weitere Sportler ins Rennen. Im Einer Frauen zählt Tatika Bovendaerde (Wondelgem/31) zu den erfahrenen Damen. Sie geht von Startplatz elf aus ins Rennen.

Im Radball treten zum sechsten Mal seit 2011 Brecht Damen und Niels Dirikx (Beringen) an. Ihr Ziel auch 2018: Der Verbleib in der A-Gruppe. Vergangenes Jahr erzielten sie mit Rang fünf ihr bisher bestes WM-Ergebnis.

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