WM 2018: Daniel Andrés Hecktor – Der hessische Spanier

Es ist erst seine zweite Teilnahme an einer UCI-Hallenradsport-Weltmeisterschaft. Dabei gehört Daniel Andrés Hecktor (Spanien) mit 27 Jahren schon zu den „Alten Hasen“ im Kunstradfahren.

In einem Alter, in dem viele Fahrer dieser anspruchsvollen Disziplin ihr Sportgerät bereits an den Nagel gehängt haben, nimmt die internationale Laufbahn des in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Athleten erst jetzt so richtig Fahrt auf – obwohl er schon seit rund 20 Jahren diesen Sport betreibt.

Seine Mutter Karin nahm Daniel immer zum Training des großen Bruders Sebastián mit. Sie war einst selbst Mannschaftskunstradfahrerin beim RC „Germania Tempo“ Höchst aktiv. Dass er jemals bei der WM antreten wird, daran hat er lange nicht mal gedacht. Zu stark ist die deutsche Konkurrenz, die das Weltniveau bestimmt.

„Wir haben immer nur im Spaß gesagt, dass ich mal für Spanien antreten werde“, erzählt Andrés. Denn sein Vater ist Spanier. Dieser war als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland eingewandert.

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Die Idee, eine spanische Lizenz zu beantragen, hat Daniel aber nie umgesetzt. Erst  bei einem Sprachaufenthalt in Madrid vor zwei Jahren wurde Andrés aktiv.

„Ich bin einfach beim spanischen Radsportverband, der Real Federación Espanola, vorbeigegangen und habe mich mit meinen noch eher schwachen Spanischkenntnissen erkundigt, ob ich für Spanien starten kann.“

Es gestaltete sich dann auch etwas schwieriger, „weil ich hin und her geschickt wurde, bis es endlich mit dem Verbandswechsel klappte. Doch jetzt läuft alles gut“, erzählt er. Vom Verband gibt es Trikots und Trainingsanzug, die restlichen Kosten trägt Andrés allerdings selbst – wie fast alle anderen Hallenradsportler.

Dafür gibt es Support von der RFCE-Marketingabteilung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit in den digitalen Medien.

2017 in Dornbirn/AUT dann seine WM-Premiere. Für ihn eine völlig neue Welt. „Ich war bisher nur bei regionalen Meisterschaften und Turnieren. Im Spotlicht einer abgedunkelten Halle vor mehreren hundert Zuschauern zu fahren, das war schon ein tolles Erlebnis.“

In Liége strebt der Zehnte des UCI-Weltcups eine neue Bestleistung an, auch wenn er nicht topfit ins Rennen geht. „Ich hatte im Sommer gleich drei Unfälle mit Gehirnerschütterungen. Erst beim Training, dann bei einem Busunfall im Urlaub und zuletzt nach einem Fahrradsturz“, schildert der angehende Doktor der Informatiker seine Pechserie.

Mehrere Wochen gingen ihm verloren. „Schon erschreckend, wie schnell die Kondition weg ist.“ Doch die 90-Punkte-Marke hat er fest im Visier, so wie er sie beim UCI-Weltcupfinale in Erlenbach/GER erzielte.

An seiner Seite weiß er zudem einen erfahrenen Betreuer: den ehemaligen spanischen Spitzenfahrer José Arellano. Der zweifacher Vize-Weltmeister von 1999 und 2001 ist selbst ein deutscher „Exil-Spanier“.

 

Eine ähnliche Geschichte wie Daniel Andrés kann Michelle Bestler (USA) erzählen. Als Kind hatte sie Kunstrad begonnen, weil sie ein Gleichgewichtsproblem hatte. Die 24-jährige Tochter eines ehemaligen US-Soldaten hatte allerdings bereits als Teenagerin nach Verletzungen den Sport aufgegeben und sich seither als Nachwuchstrainerin engagiert.

Vor einigen Monaten stellte Michelle fest, dass sie möglicherweise bei der WM für das Land ihres Vaters antreten kann. So stieg sie nach mehreren Jahren wieder aufs Rad, um in Lüttich die USA zu repräsentieren.

Tamaris und Dominic Franke Fontinha treten für Portugal an.

Bei der WM in Liège sind die beiden in guter Gesellschaft. Neben ihnen sind sechs weitere Fahrer aus Deutschland mit ausländischen Wurzeln am Start. Die berühmteste: Denise Boller (Österreich), Weltmeisterin von 2010.

Die Weltranglisten-Siebte – übrigens wie Bestler und Andrés wohnhaft im Großraum Frankfurt – war 2013 das letzte Mal bei einer WM dabei und zählt nun einmal mehr zu den Medaillenanwärterinnen.

Ebenso in Deutschland aufgewachsen und nun für die Heimat der Eltern am Start sind Laura Rissé (LUX), die Schwestern Isabella und Giuliana Zübner (ITA) sowie die Geschwister Tamaris und Dominic Franke Fontinha (POR). (st)

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