WM 2018: Gold im vierten Anlauf für Bringsken-Schwestern – Kohl über 200 Punkte

Fernab des Leistungssport war es die wohl emotionalste Szene der UCI-Hallenradsport-Weltmeisterschaft 2018 in Lüttich (BEL).

Als der Kunstradfahrer Géry Covent zu seinem WM-Comeback nach 15 Jahren die Wettkampfarena betrat, trug er zusammen mit seinem Cousin Dimitri Covent – Mitorganisator der WM – ein kleines Foto in die Halle.

Das Bild stellten sie gemeinsam an den Flächenrand. Der anschließende Blick zum Himmel galt Rudy Covent, der Onkel von Géry und Vater von Dimitri.

Géry Covent

Rudy Covent war Anfang Oktober verstorben. Mit dieser Geste würdigten die Belgier den zweifachen WM-Bronzemedaillengewinner im Radball von 1991 und 1995.

Gérys Auftritt verlief dann zwar nicht wie gewünscht. „Es war nicht das Ergebnis, auf das ich gehofft hatte. Aber ich habe es trotzdem genossen, wieder auf dem Rad zu sitzen.“ Mit 86,59 Punkte belegte er Rang 18.

Alter und neuer Weltmeister bei den Männern ist Lukas Kohl (Kirchehrenbach/GER). Der nunmehr dreifache UCI-Champion blieb im Final4 nicht ganz fehlerfrei, stand einmal kurz auf dem Boden. Dennoch, mit 200,36 Punkten lag er am Ende beinahe uneinholbar vorn. Seine Kür wirkte wie ein Vortrag von einem anderen Stern.

Der Bayer betont, dass er seinen Titel nicht verteidigen, sondern jedes Jahr aufs Neue gewinnen will. „Das ist ein kleiner aber entscheidender mentaler Unterschied“, so der 22-jährige Wirtschaftsingenieur-Student.

Der Titelhattrick, keine Selbstverständlichkeit für ihn. Kohl war bewusst, dass er mit Moritz Herbst (Wendlingen/GER) einen starken Konkurrenten im Nacken hat. „Es hat mich überrascht, wie stark er zurückgekommen ist“, sagte Kohl.

Denn Herbst hatte in der ersten Saisonhälfte mit einer schweren Schulterverletzung zu kämpfen. In sofern war allein schon die erfolgreiche WM-Qualifikation ein riesen Erfolg. Entsprechend groß seine Freude über Platz zwei.

Die kleine Chance auf Gold hatte er selbst aus der Hand gegeben. Stürze beim Maute-Sprung und beim Drehsprung sowie Prozentabzüge gegen Ende seiner Kür brachten den Vize-Weltmeister des Vorjahres 184,74 Zähler. Das bedeutete erneut sicheres Silber.

Wong Chin To (Hongkong) gewann hingegen sein fünftes WM-Bronze. In der Medaillenrunde zeigte der Asiate einer seiner besten Leistungen, blieb mit 177,96 Zählern unter seinen eigenem Asienrekord. Mit geballten Fäusten jubelte er über seine gelungene Leistung.

Gefeiert wurde aber auch der viertplatzierte Lukas Burri aus der Schweiz. Er zeigte einen fehlerfreien Vortrag und beendete seinen Lauf mit 170,22 Punkten. Anschließend wurde von seinem Teamkameraden mit Wunderkerzen am Flächenrand empfangen und die ganze Halle stimmte zu einem Ständchen ein – denn Burri feierte seinen Geburtstag. Am Tag zuvor war er überraschend zusammen mit Fabienne Hammerschmidt Vize-Weltmeister im Pairs open geworden.

Ergebnisse 1er Männer – Final4

1. Lukas Kohl (GER) – 200,36

2. Moritz Herbst (GER) – 184,74

3. Chin To Wong (HKG) – 177,96

4. Lukas Burri (SUI) – 170,22

 

2er FRAUEN

Die neuen Weltmeisterinnen im Zweier der Frauen sind wieder Schwestern und wieder aus dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Lena und Lisa Bringsken (Böhl-Iggelheim/GER) hatten nach ihren Finalvortrag schon gar nicht mehr mit dem Titel gerechnet. 135,23 Punkte bedeuteten zunächst den sicheren zweiten Rang.

Dass es am Ende der Titel werden würde, das kam überraschend. Lena Bringsken: „Wir haben die vorherigen drei Jahre viel Erfahrung sammeln können und wollten zwei gute Durchgänge zeigen. Natürlich war der Titel das Ziel. Aber damit hatten wir dann doch nicht mehr gerechnet.“ Ihre jüngere Schwester Lisa stimmte zu: „Das war nach unserer Finalkür nicht mehr zur erwarten, ich kann es noch gar nicht glauben.“

Auf Gold programmiert waren eigentlich die UCI-Weltcupsiegerinnen Carolina Wurth/Sophie-Marie Nattmann (Gutach/GER). Bis zur letzten Minute hielten sie ihren Vorsprung. Dann verlor das Duo auf einem Rad mit Schulterstand fahrend das Gleichgewicht.

Der zweite Versuch ging ebenfalls schief, so dass am Ende nur 121,40 Punkte übrig blieben. Die Enttäuschung sei groß, Unterfrau Sophie-Marie gab unter Tränen zu: „Es geht weniger um den Platz, vielmehr um unsere eigene Leistung.“ Es war ihre erste WM. 2019 will das Duo neu angreifen.

Überglücklich mit Bronze waren Rosa Kopf und Svenja Bachmann (AUT), die sich im Finale auf 116,21 Punkte steigerten und damit die ebenfalls fehlerfrei agierenden Schweizerinnen Nathalie Steinemann/Irina Christinger (110,18 P.) auf Distanz hielten.

Ergebnisse 2er Frauen – Final4

1. Lena und Lisa Bringsken (GER) – 135,23

2. Carolina Wurth/Sophie-Marie Nattmann (GER) – 121,40

3. Rosa Kopf/Svenja Bachmann (AUT) – 116,21

4. Nathalie Steinemann/Irina Christinger (SUI) – 110,18

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