WM 2019: Deutschem Vorrunden-Chaos folgten fantastische Finale

Es war ein deutsches Phänomen bei dieser Weltmeisterschaft. Alle Kunstradfahrer zeigten in der Vorrunde keine perfekten Vorträge – um dann im Finale das Publikum mit Glanzdarbietungen zu begeistern. 

So auch die Einer Männer. Lukas Kohl (23), seit seinem ersten WM-Titel 2016 ungeschlagen, stand bei seinem Qualifikationslauf völlig überraschend nach einer Passage auf dem Boden. Sein Resultat von 204 dennoch Weltklasse und für die Konkurrent nicht zu toppen.

Lukas Kohl

Und im Final-4 setzte der nunmehr vierfache Champion einen drauf, blieb nun ohne nennenswerte Fehler und dominierte diesen Wettbewerb mit 208,89 Punkten. „Das war Teamgeist“, scherzte Kohl in der Pressekonferenz, angesprochen auf das kollektive schwächere Vorrundenabschneiden seiner Kunstradkollegen.

Sein Landsmann Marcel Jüngling hatte in der Vorrunde sogar nur Rang drei belegt, weil er nur mäßig durch seine Kür kam. Aber auch er fand im Finale vor rund 2.500 Zuschauern einen perfekten Saisonabschluss. Mit 192,98 Zählern sicherte er sich bei seiner WM-Premiere die Silbermedaille.

Marcel Jüngling

Bronze ging an den Routinier des Final-4: Chin To Wong aus Hongkong. Der 26-Jährige hatte in der Vorrunde einen neuen Asienrekord erzielt und bestätigte diese gute Leistung in der Medailenrunde mit 176,22 Zählern. Damit fuhr er seine bereits sechste Bronzemedaille ein.

Ebenso sehr stolz war Martin Schön aus Ungarn. Als erster Sportler seines Landes schaffte er den Sprung ins Final-4. Zwei fünfte Plätze waren bisher seine besten Ergebnisse. Jetzt sicherte sich mit 168 Punkten die Qualifikation und belegte in der Endabrechnung Rang vier.

Martin Schön

Für den Schweizer Lukas Burri reichte es nur zum fünften Rang. Zu viele Fehler und Unsicherheiten schlichen sich bei dem Bronzemedaillen-Gewinner im Pair Open ein. Er musste sich letztlich mit Rang fünf begnügen.

2er Frauen: Dramatischer Titelentscheid

Caroline Wurth (vorn) und Sophie-Marie Nattmann.

Einen dramatischen Moment gab es im Zweier Frauen. Die top gesetzten Caroline Wurth und Sophie-Marie Nattmann (Gutach/Deutschland) waren im Final4 als letztes Paar auf der Wettkampffläche.

Vom live angezeigten Punktwert lagen sie bis kurz vor Schluss auf Titelkurs. „Aber wir wussten schon vor der letzten Passage, dass es sehr eng werden würde, alle Übungen in die Zeit zu bekommen“, resümierte Unterfrau Sophie-Marie.

Denn den Reitsitz/Handstand auf einem Rad hatte ihre Partnerin kurz zuvor zweimal ansetzen müssen, ehe sie diesen perfekt zeigte. „Das hat uns sehr viel Zeit gekostet“, bestätigte Caroline. 

Deswegen machte Sophie bei den Trageübungen, die auf dem Hinterrad gefahren werden, Druck. „Zudem hatte ich vor dem letzten Übergang im Lenkersitzsteiger zu kämpfen und nicht meine normale Sitzposition. Das ging dann eben schief.“

Rosa Kopf und Svenja Bachmann

Das Punktekonto schmolz auf 129,43 Zähler zusammen. Immerhin reichte es noch zu Platz zwei, wie schon im Vorjahr vor den Österreicherinnen Rosa Kopf und Svenja Bachmann. Die U19-Fahrerinnen hatten 125,53 Punkte erzielt und sich damit ebenfalls zum zweiten Mal Bronze gesichert.

Nach einer fehlerfreien Darbietung ging das UCI-Regenbogentrikot an die Titelverteidigerinnen Lena und Lisa Bringsken (Böhl-Iggelheim/GER) – die zudem drei WM-Silbermedaillen ihr eigen nennen dürfen. „Es ist im Finale wirklich perfekt gelaufen“, waren sich die Schwestern einig. Der Lohn: Saisonbestleistung von 142,64 Punkten und zum zweiten Mal Platz eins.

Lena (re.) und Lisa Bringsken

Ebenso stark der Premieren-Auftritt des jungen schweizer Duos Nadina Zuberbühler und Jeannine Graf. Die Lokamatadorinnen bekamen ebenfalls nur wenige Abzüge und freuten sich über ihren vierten Rang. (Text: S. Thomé – Fotos: UCI/HRS-Live)

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