Kunstrad-Weltcup: Vier deutsche Doppelsiege in Koblach

Der UCI-Kunstrad-Weltcup startete mit der ersten Runde im österreichischen Koblach in die dritte Saison.

Der RC Meiningen um die frühere Kunstrad-Weltmeisterin Adriana Mathis hatte beste Voraussetzungen für den Auftakt geschaffen. „Da kommen wir gerne wieder“, so der Vorsitzende von Indoor-Cycling World-Wide (ICWW) Rolf Halter (Erlenbach).

Der Corona-Virus machte auch vor den Hallenradsportlern nicht halt und so konnten einige Nationen nicht wie geplant an diesem WC teilnehmen. Zudem dezimierten Erkrankungen von Sportlern aus Ungarn, Portugal und Luxemburg das Starterfeld von 36 auf 28 Starts. Dafür waren erstmals Sportler aus der Türkei und Griechenland, mit Heimat in Herrenzimmern sowie Wendlingen am Start.

Einer Frauen: Slupina bricht Sattellenkerhandstand ab

Die erste Entscheidung fiel im Einer Frauen fallen. Zehn Sportlerinnen aus sechs Nationen gingen an den Start. Die Hoffnungen der Gastgeber lagen auf Lorena Schneider (Höchst/AUT). Die Junioren-Europameisterin und amtierende WM-Dritte zeigte eine saubere Kür und erhielt 166,79 Punkte.

Trainer und Papa Reinhard kommentierte: „Ich bin mehr als zufrieden mit diesem Saisonstart von Lorena. Unsere Trainingszeiten sind während der Faschingszeit leider stark eingeschränkt, umso mehr freut mich diese Leistung.“

Mattea Eckstein (Stuttgart) kam anschließend nur auf 154,88 Zähler und musste sich hintenanstellen.

Die Weltcup-Gesamtsiegerin von 2018, Maren Haase (Hoffnungsthal) hatte ihre Schwierigkeit auf 190,5 Punkte reduziert. Das sollte sich auszahlen. Nur einmal, beim Sattelstand, wackelte sie sehr stark, verhinderte aber einen Sturz. Der Rest lief nahezu perfekt. Mit einem strahlenden lächeln im Gesicht und 181,45 Punkten ging sie von der Fläche.

Danach folgte die Titelverteidigerin dieser Serie und amtierende Weltmeisterin Milena Slupina (Bernlohe). Sie begann gut. Doch den zweiten Handstand, den Sattellenkerhandstand, musste sie abbrechen. Allein das kostete zwölf Punkte. „Egal, weiter“, lautete der Kommentar von Trainerin und Mutter Petra Slupina.

Bei der Lenkerstand-Drehung heimste Slupina dann Zusatzpunkte ein, doch am Ende reichte es nicht zu Platz eins. Mit 178,57 Zählern reihte sie sich hinter Haase ein.

Vierer-Kunstrad: Weltmeisterinnen noch nicht in Höchstform

Im Vierer-Kunstrad waren vier Mannschaften, je zwei aus Deutschland und der Schweiz, am Start. Die amtierenden Vize-Weltmeisterinnen vom VfH Worms (Sabrina Born/ Nora Erbenich/ Hannah Rohrwick/ Annika Furch) kamen nicht ganz ohne Fehler durch: 187,79 Punkte.

Die schweizer Startgemeinschaft Rheineck/Uzwil hatte deutlich mehr Probleme und rutschte mit 163,44 Zählern nach hinten ab.

Steinhöring (Julia Dörner/ Annalena Vollbrecht/ Annamaria Milo/ Ramona Ressel) begannen gut, leistete sich aber in der Mitte einen Absteiger. Und kamen nicht alle Übungen ins Zeitlimit. Dennoch, 190,15 Punkte bedeuten die Führung.

Die Weltmeisterinnen aus Baar/SUI leisteten sich bei ihrem ersten Start im Regenbogentrikot einige Absteiger, die sich summierten. Von Rekordausgangswert 241,8 blieben nur 165,51 Punkte übrig. So kam es erneut zu einem deutschen Doppelsieg durch Steinhöring vor Worms und Baar.

Die WM-Dritten vom RC Höchst/AUT konnten verletzungsbedingt nicht antreten. Sie konzentrieren sich auf die Herbstsaison.

Zweier offene Klasse: Weltjahresbestleistung erzielt

Im Zweier der offenen Klasse traten krankheitsbedingt nur vier Paare an. Katharina Kühne und Marcel Schnetzer (Höchst/AUT) eröffneten die Disziplin mit 133,78 Zählern.

Es folgten die Vize-Weltmeister Lukas Burri und Fabienne Hammerschmidt (Uzwil/SUI), die auf mit 149,43 Punkte kamen.

Die Weltcupsieger der vergangenen Saison, Nina Stapf/Patrick Tisch (Denkendorf/Magstadt), die aufgrund Erkrankung von Nina erst kurzfristig zu einem Start entschieden, starteten mit reduziertem Programm von 164,9 Punkten.

Auf zwei Rädern gab es wenig Abzug und auf einem Rad mussten sie nur eine schwierige Situation beim Übergang zum Steuerrohrsteiger mit Schultersitz meistern. Zusatzpunkte gab es bei der Lenkerstand-Drehung mit Dornenstand, den sie auf Vierfach erweiterten. 150,28 Punkte, damit waren sie zufrieden.

Die dreifachen Weltmeister Serafin Schefold/Max Hanselmann (Öhringen) begannen gleich mit einem Absteiger beim Mautesprung. Den Rest ihres Programms sah wie gewohnt ruhig und gekonnt aus, als wäre die beiden Öhringer kurz vor dem Saisonhöhepunkt. 158,18 Punkte, eine Weltklasseleistung.

Einer Männer: Auf Anhieb über 200 Punkte

Im Einer der Männer starteten sieben Sportler aus fünf Nationen. Wird Lukas Kohl (Kirchehrenbach) der vierfache Weltmeister und Weltcupsieger 2018 und 2019 weiter unbesiegt bleiben oder können die „Jäger“ aufholen? Das war die Große Frage.

Lukas Burri (Uzwil/SUI), der als einziger Sportler zweimal in Koblach auf der Fläche war, legte 171,14 Zähler vor.

Marcel Jüngling (Dornheim), der Vize-Weltmeister, kam sturzfrei durch sein schwieriges Programm. Der Lohn waren 189,77 Punkte.

Max Maute (Tailfingen) feierte seine Weltcup-Premiere. Mit reduziertem Programm von 200,3 lief nicht alles perfekt. Am Ende waren es 170,83 Punkte und Platz vier.

Lukas Kohl als letzter der Disziplin begann wie gewohnt mit Sattelstand und blitzschnellem Mautesprung. Doch beim zurückgehen von der Kehrstandsteigerdrehung kippte er leicht nach vorne und stand auf dem Boden.

„Das war zwar ärgerlich, aber halb so wild, da es zwischen den Übungen war“, meinte Kohl, „und es hat mich keine Zeit gekostet.“ 203,13 Punkte, ein super Einstieg ins Sportjahr 2020. „Der einzige Sportler über 200“, kommentierte die als Hallensprecherin fungierende ehemalige Weltmeisterin Adriana Mathis. Es war der vierte Doppelsieg für Deutschland.

Zweier Frauen: Nur drei Paare am Start

Im Zweier der Frauen war das Feld auf drei Duos zusammengeschmolzen. Jacqueline Rist/Ida-Lena Hofherr (Bregenz/AUT) legten 87,32 Punkte vor, die von Rosa Kopf/Svenja Bachmann (Sulz/AUT) gleich mit 122,96 Zählern überboten wurden.

Die zweifachen Weltcup-Siegerinnen Sophie-Marie Nattmann/Caroline Wurth (Gutach) meisterten ihre Übungen auf einem Rad fehlerfrei. Nach dem Wechsel auf zwei Räder lief es nicht mehr ganz so rund. Die Vize-Weltmeisterinnen kassierten einige Abzüge. Aber ihre 134,8 Punkte reichten erneut zum Tagessieg vor den beiden Duos aus Österreich.

Die nächste Weltcup-Runde findet am 27. Juni 2020 in Komarno (Slowakei) statt. Derzeit wird auch der dritte Durchgang in Hongkong im August geplant. „Hier ist abzuwarten, wie sich die Lage in Hongkong bezüglich des Corona-Virus weiterentwickelt“, so die UCI-Delegierte Claudia Bee (Aschaffenburg).

„Wir stehen in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen in Hongkong. Derzeit sind die Schulen bis April geschlossen. Wir werden wohl in der Slowakei entscheiden, ob die dritte Runde dann in Hongkong stattfinden wird.“ (ws)

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