Radball Männer: Zum WM-Abschied ungeschlagen
Sie waren von Anfang bis zum Ende einfach wieder die Besten. Die Radballer Bernd Mlady und Raphael Kopp (RMC Stein/GER) setzten bei ihrer Heim-Weltmeisterschaft der deutschen Erfolgsbilanz die Krone auf. Im Endspiel um den Titel ging es wie schon 2024 wieder gegen die „Erzrivalen“ Patrick Schnetzer und Stefan Feurstein aus Österreich.
Und die Herausforderer Schnetzer/Feurstein, Weltmeister von 2022, setzten im Göppinger Hexenkessel nach einem bis dahin durchwachsenen Turnier das erste Zeichen und gingen früh in Führung. „Wir haben uns davon nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte Bernd Mlady, der nur wenige Kilometer von Göppingen entfernt in Stuttgart lebt. 1:1 stand es zur Pause, dann drehten die Titelverteidiger aus Deutschland auf und zogen bis zum Schluss auf 6:2 davon.
„Wir haben uns das Herz rausgehauen“, fasste das Duo die drei WM-Tage zusammen. „Einen schöneren Karriere-Abschied kann man sich nicht vorstellen“, ergänzte der Raphael Kopp. Mit dem zweiten gemeinsamen Regenbogen-Trikot auf den Schultern folgt zum Saisonabschluss noch das 7. UCI-Weltcupturnier am kommenden Samstag (15. November) in Schöftland/SUI sowie das Finalturnier am 6. Dezember 2025 Hofen (GER). Dann hängen Mlady/Kopp ihr Fahrrad an den Nagel.
Die Bronzemedaille ging an die Brüder Timon und Yannick Fröhlich aus Altdorf (Schweiz) vor Frankreich (Quentin Seyfried / Mathias Seyfried) und Tschechien (Radek Adam / Tomas Horak) sowie Japan (Yusuke Murakami/ Yuma Takahshi).
2er Frauen: In Bestform zum zweiten Titel
Besser kann man seine Laufbahn nicht beenden. Antonia Bärk und Henny Kirst (Bonn-Duisdorf/GER) hatten schon lange angekündigt, dass sie ihre letzte gemeinsame Saison bestreiten. Die amtierende UCI-Weltmeisterinnen waren in Göppingen nicht zu bezwingen. Im Final-4 lief es für sie wie auf Schienen.
Die 28-jährige Oberfrau Henny war überglücklich: „Ich konnte das Finale vollkommen gut genießen, die Bedingungen waren hier einfach perfekt.“ Partnerin Antonia (27), mit der sie seit 2015 zusammenfährt, vergoss Freudentränen und gestand: „Anfangs hatte ich gar nicht das Gefühl, bei einer WM zu starten. Doch dann habe ich plötzlich realisiert: Das ist ja das WM-Finale. Und jetzt sind wir wieder Weltmeisterinnen.“
Mit Weltbestleistung von 146,36 Punkten verabschiedeten sie sich mit Gold von WM-Parkett. Beim UCI-Weltcupfinale in einer Woche haben sie ihren letzten Auftritt.
Alte und neue Vize-Weltmeisterinnnen sind Kim Leah Schlüter und Nele Jodeleit (Knetterheide/GER). Trotz kleinerer Fehler reichten ihre 127,88 Punkte zum zweiten Platz.
Simona Lucca und Larissa Tanner (Stäfa/Dürnten) machten als Dritte das gleiche Podium wie 2024 perfekt. Das Paar aus der Schweiz erzielte 119,35 Punkte und blieben damit klar vor ihren Team-Konkurrentinnen Julia Stäheli/Tanisha Tanner (Amriswil/SUI), die mit 99,86 Punkten Rang vier einnahmen.
Einer Frauen: Zweites Regenbogentrikot für Jana Pfann
Jana Pfann (Bruckmühl/GER) auf den Punkt topfit. Mit dem höchsten Schwierigkeitslevel aller Frauen ging die UCI-Weltmeisterin von 2022 als letzte ins Final-4. In der Vorrunde hatte sie nicht perfekt abgeliefert, aber dennoch gewonnen. Nun brach sie einen langjährigen Fluch der Vorrundensiegerinnen, die seit 2019 das Finale nicht gewinnen konnte.
Dafür hatte sie auf Sicherheit gesetzt und etwas Risiko herausgenommen. Das und ihre Lockerheit zahlte sich aus. „Ich hatte mir gesagt: entweder klappt es – oder eben nicht. Das wäre auch nicht tragisch gewesen.“ Mit 190,92 Punkte gewann die 21-Jährige Event-Managerin ihr zweites UCI-Regenbogentrikot. Für sie war Göppingen ein echtes Heimspiel: „Hier kannte ich quasi jeden Zweiten, durfte unzählige Autogramme schreiben. Unbeschreiblich.“
Die erste Überraschung war, dass Silber nicht an Deutschland ging. Die auf Platz zwei gesetzte Veronika Koch (Hausham) hatte während der Kür sehr viel Pech und recht früh eine Kontaktlinse verloren. Als Sechstplatzierte verpasste sie das Finale.
Silber schnappte sich die Schweizerin Alessa Hotz (Baar/182,58 p.). Die zweifache WM-Dritte (2021/22) markierte damit den größten Erfolg für ihr Land in dieser Disziplin seit 1988, als es letztmals Gold für die Schweiz gab.
Die Österreicherin Lorena Schneider (Höchst) bestritt ihre letzte WM und sicherte sich zum vierten Mal die Bronzemedaille. Nach dem UCI-Weltcupfinale ist Schluss ihrer erfolgreichen Karriere als AUT-Rekordinhaberin und zweifache U19-Europameisterin.
Über ihren Finaleinzug freute sich indes Magdalena Müller, die in Deutschland lebt, aber für ihr Mutterland Italien antritt. Sie steigerte ihr Ergebnis und wurde für ihren vierten Rang gefeiert.
Radball Frauen: Deutscher Durschmarch zur Titelverteidigung
Für die deutschen Radball-Frauen Judith Wolf und Danielle Holzer (Hofen/Prechtal) war es ein direkter Durchmarch. Die Titelverteidigerinnen blieben im gesamten WM-Turnier ungeschlagen und kassierten in vier Spielen nur drei Gegentore.
Nach dem direkten Einzug ins Finale als Vorrunden-Siegerinnen, ging es im Endspiel gegen die Schweiz. Sava Baumann und Chiara Dotoli hatten sich im Playoff-Match gegen das am Ende drittplatzierte Team aus Japan (Sayaka Tokuhiro/ Nana Yamashita) mit 4:2 durchgesetzt.
Im Duell um die Goldmedaille ließen die deutschen Damen den Schweizerinnen dann mit 6:1 keine Chance.
Erst zum dritten Mal wurde der Frauen-Titel ausgespielt, dreimal stand Deutschland ganz oben. Bundestrainer Jörg Latzel freut sich auf die nächsten Jahre: „Es ist fix, dass wir auch 2026 und 2027 zum WM-Programm gehören. Wichtig ist, dass die UCI einen langen Atem beweist und der Sportart Zeit gibt, zu wachsen.“


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