Deutsche Meisterschaft: Favoritensiege und übliche Überraschungen

Die Deutschen Hallenradsportmeisterschaften der Elite in Moers unter Corona-Bedingungen waren anders als in früheren Jahren. Es herrschten die 3-G-Regeln, es waren weniger Zuschauer, die Stimmung im Radball war nicht so lautstark wie gewohnt, nur eine Wettkampffläche, kein Radpolo und auch keine Radball-Aufstiegsrunde am Freitag.

Doch eines war wie eh und je: Es gab spannende und knappe Entscheidungen.

Die DM begann mit einer Wimpernschlag-Entscheidung im Vierer Einrad (Titelfoto): Zwischen Gold und Bronze lagen gerade mal 0,44 Punkte. Alina Bötzer, Franziska Bötzer, Magdalena Jurisch, Sabrina Bürßner vom RMSV Aach verteidigten ihre Pole-Position mit 120,91 Punkten. Dahinter folgten der SKV Mörfelden (130,73 P.) und die TSG Flonheim (130,47).

Auch im 6er Einrad gab es ebenfalls einen knappen Ausgang. Bis zum Schluss sah es nach einer weiteren Goldmedaille für den RMSV Aach aus. Doch das Kampfgericht korrigierte die Wertung nach einer kurzen Diskussion  nach unten. Somit ging die Goldmedaille Marie Fischer, Vanessa Schwarz, Linda Barnickel, Annika Stumpf, Veronika Lurz, Tina Katholing von Soli Reuth (115,61). Silber ging an Aach (114,59) vor Mörfelden (110,88).

Im Vierer Kunstrad der offenen Klasse dominierte wie erwartet das Team des RKV Denkendorf. Leonie Weber, Julia Wörner, Tamara Richter, Mike Lauterbach ließen nichts anbrennen. Sie setzten sich mit 174,94 Zählern souverän vor der SG Mühlheim/Neuwerk (125,42) und Oppershofen (100,27).

Dazwischen wurden jeweils die Vorkämpfe im Zweier Frauen, Einer Männer und im Vierer Kunstrad Frauen für das abendliche Final-Four ausgetragen. Die Vorrunde gewannen Marquardt/Vordermeier (Oberjesingen/Stuttgart), Lukas Kohl (Kirchehrenbach) und der VfH Worms.

In der Vorrunde wurde vor allem das Feld der Männer durcheinander gewirbelt. Max Maute (Tailfingen) verpatzte den Maute-Sprung und stand noch zweimal auf dem Boden. Mit 171,77 Punkten und Platz fünf war Finale dahin. Trotzdem sollte es für die WM-Qualifikation reichen.

Denn auch Widersacher Tim Weber (Böhl-Ingelheim) fuhr ebenfalls einen Streicher ein. 0,23 Punkte lagen nach sieben WM-Wertungen zwischen WM-Ticket und-Ersatzplatz. Überraschend der Finaleinzug von Simon Köcher (RSV Öschelbronn).

Im Finale verpassten Henny Kirst/Antonia Bärk (Bonn-Duisdorf/127,77) nur um Haaresbreite die große Überraschung. Für Gold fehlte dem Duo nur 0,37 Punkte. Die Favoritinnen Caroline Wurth/Sophie-Marie Wöhrle (Gutach) retteten sich mit 138,14 gerade noch zum Titel.

Bronze ging zum dritten Mal an Selina Marquardt/Helen Vordermeier (Oberjesingen/Stuttgart/135,25). Annice Niedermeier/Jesse Hainmüller (Denkendorf/Magstadt/108,91) freuten sich, dass sie bereits in ihrem ersten gemeinsamen Jahr im Finale dabei sein durften.

Lukas Kohl war indes nicht zu schlagen. Nach 2016 und 2019 gewann er bereits zum dritten Mal den DM-Titel in Moers. Insgesamt der damit fünf nationale Titel. Mit 204,7 Punkten war er wiederum eine Klasse für sich. Marcel Jüngling zeigte zwei starke Auftritte und belohnte sich mit DM-Silber (194,08). Bronze ging an Tim Weber (189,69) während Simon Köcher (Öschelbronn/179,71) mit seiner ersten Finalteilnahme überaus zufrieden war.

Das Vierer Frauen gewann die beständigste Mannschaft der vergangenen Wochen ganz knapp. Der VfH Worms mit Nora Erbenich, Sabrina Born, Hannah Rohrwick, Annika Furch krönte sich mit 208,87 Punkten zum deutschen Meister. Mainz-Ebersheim fuhr nach der Corona bedingten Zwangs-Pause sehr stark und musste sich mit 207,52 ganz knapp geschlagen geben. Silber der Lohn dieser Leistung. Dritter wurde Aach (193,06) vor Flonheim (190,42)

Radball, Kunst- und Einrad standen dann am zweiten DM-Tag auf der Agenda. Den ersten Titel des Tages sicherten sich mit einer kämpferischen Fahrt im Sechser-Kunstrad der RMSV Aach mit Alina Bötzer, Franziska Bötzer, Sara Bötzer, Carina Paukstadt, Magdalena Jurisch, Sabrina Bürßner (169,59). Das Sextett aus Mainz-Ebersheim zeigte mit Ersatzfahrerin mit einem starken Auftritt und holte mit 166,10 Zählern Silber. Mit Abstand  holte Neuenkirchen Bronze (133,84).

Es folgten die Vorentscheidungen im Einer Frauen sowie Zweier der offenen Klasse fürs Final-Four. Bei den Frauen gab es bereits die erste Überraschung. Weltmeisterin Milena Slupina (Bernlohe) rettete sich, nachdem sie den Lenkerhandstand nicht hochgedrückt bekam und sich weitere Fehler leistete, mit 168,77 Punkten mehr schlecht als recht als Vierte gerade noch in Finale. Es setzte sich zunächst das Maren Haase (Hoffnungsthal) füdurch. Im Zweier sicherten sich Serafin Schefold/Max Hanselmann (Öhringen) den Vorrundensieg.

In der Medaillenrunde waren Schefold/Hanselmann trotz Patzer mit 155,07 das das stärkste Paar. Sie holten DM-Gold vor den Aufsteigern der Jahres Nico Rödiger/Lea-Victoria Styber (Langenselbold/151,96). Nach der verpassten WM-Qualifikation mussten sich Patrick Tisch/Nina Stapf (Magstadt/Denkendorf) mit 147,23 Punkten und Bronze zufriedengeben. Celine Stapf/Niklas Kreuzmann (Soden) hatten als viertes Paar keine Chancen auf die Medaillen. 101,26 ihr Ergebnis.

Neue DM-Königin bei den Damen ist Lara Füller (Poppenweiler). Starke 187,43 Punkte hatte sie vorgelegt als sie strahlend und glücklich von der Fläche ging. Silber war ihr sicher, doch es wurde Gold!

Milena Slupina lag bis kurz vor Schluss auf Meisterkurs. Dann ein Absteiger und am Ende fehlte die Zeit, um die letzte Übung komplett ins Zeitlimit zu  bringen. 185,28 Punkte bedeuteten Platz zwei, die sich knapp vor Maren Haase (Hoffnungsthal) setzen konnte. Sie hatte 185,37 vorgelegt und mit dem Ergebnis ihre Beständigkeit erneut unter Beweis gestellt. Der Lohn: DM-Bronze. Vierte im Bunde war Mattea Eckstein (Stuttgart) mit ausgefahrenen 178,46.


Im Radball war die Entscheidung um das WM-TIcket schon fast nach dem Spiel Obernfeld gegen Schiefbahn gefallen, bei dem André und Raphael Kopp mit 3:6 den Kürzeren zog. Die Niedersachsen taten sich schwer. Ein 4:3-Sieg gegen Naurod und 9:6 gegen Krofdorf.

Die Cousins Gerhard und Bernd Mlady (Stein) setzten sich gegen Krofdorf (3:2), Naurod (7:3) und Schiefbahn (6:5) durch.

Im letzten Vorrundenspiel musste Oberfeld unbedingt hoch gegen Stein gewinnen, um noch ins Finale und an die WM zu kommen. Aber der 3:2-Sieg war nutzlos. Stein hatte den WM-Startplatz zum fünften Mal in Folge seit 2016 sicher. Schiefbahn gewann die Vorrunde vor Stein  und Obernfeld. Alle hatten neun Punkte auf ihrem Konto.

DM-Titelverteidiger Obernfeld sicherte sich gegen Krofdorf zumindest Bronze (7:3). Im Finale lag Stein gegen Schiefbahn schnell mit 0:2 (Halbzeit) und 0:3 zurück. Doch dann holten die Bayern zum 3:3 auf: Entscheidungsspiel. Hier nutze die Mladys den Schwung ihrer Aufholjagd und gewannen mit 4:1.

Ergebnisse Kunstradfahren/Einrad

Ergebnisse Radball

*-*-*-*

BDR-Team UCI-Hallenradsport-Weltmeisterschaft 2021

1er

Lukas Kohl (Kirchehrenbach/TV)
Max Maute (Tailfingen)
Ersatz: Tim Weber (Böhl-Ingelheim

Milena Slupina (Bernlohe)
Lara Füller (Poppenweiler)
Ersatz: Maren Haase (Hoffnungsthal)

2er
Serafin Schefold/Max Hanselmann (Öhringen/TV)
Nico Rödiger / Lea-Victoria Styber (Langenselbold)
Ersatz: Patrick Tisch/Nina Stapf (Magstadt/Denkendorf)

Caroline Wurth/Sophie-Marie Wöhrle (Gutach)
Selina Marquardt/Helen Vordermeier (Oberjesingen/Stuttgart)
Ersatz: Henny Kirst / Antoni Bärk (Bonn-Duisdorf)

4er Kunstrad
Nora Erbenich, Sabrina Born, Hannah Rohrwick, Annika Furch (VfH Worms)
Ersatz: Jasmin Hauke, Nicole Weichenhain, Hanna Kasper, Judith Kania (RSV Steinhöring)

Radball
Bernd und Gerhard Mlady (RMC Stein)
Ersatz: André Kopp/ Raphael Kopp (RV Obernfeld)

Bundestrainer: Kunstrad: Dieter Maute, Sonja Kaiser

Radball: Jörg Latzel, Lars Wegmann

TV= Titelverteidiger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.