Üben in Geduld – Bis Mitte Juni keine Entscheidungen zu erwarten

An diesem verlängerten Wochenende wäre es zum ersten internationalen Saisonhöhepunkt im Radball und Kunstradfahren gekommen. Die Junioren-Europameisterschaft in Altdorf/Schweiz stand auf dem Programm.

Abgesagt – aufgrund der Covid-19-Pandemie – wie alle anderen Wettkämpfe und Turniere. Von der Kreis- und Bezirksebene bis hin zu nationalen und internationalen Highlights. Die Frühjahrs-Saison ist insbesondere im Nachwuchs nahezu komplett ausgefallen.

Immerhin machen die ersten Lockerungen das Training nach und nach wieder möglich. Immer unter dem Gesichtspunkt von Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Einige nationale Verbände, wie etwa der Bund Deutscher Radfahrer, haben dazu Handlungsempfehlungen und Richtlinien entwickelt.

Im Radball und Radpolo sind Wettbewerbe demnach eigentlich gar nicht denkbar, denn zum Thema Wettkampfbetrieb heißt es von Seiten des BDR:Ein Wettkampfbetrieb im Radball ist unter den gegeben Umständen noch nicht möglich, da eine Abstandsregel in einem Spiel nicht einzuhalten ist. Es müssten daher ebenfalls Testverfahren durchgeführt werden, wie wir sie bislang nur vom Profifußball kennen.“

Dennoch versuchen wir – unabhängig von dieser zeitlich unbestimmten Aussage – einige der wichtigsten Fragen für die verbleibende Wettkampf-Saison zu beleuchten.

Wird die Weltmeisterschaft 2020 in Stuttgart stattfinden?

Dazu gibt es noch keine Entscheidung. Diese könnte im Juni fallen. Ausrichter in.Stuttgart steht nach Aussagen von Toni Kirsch, Vorsitzender der UCI-Hallenradsportkommission, im engen Kontakt mit BDR-Vizepräsidenten Harry Bodmer

Toni Kirsch

„Es ist natürlich unklar, ob die WM stattfinden kann, denn da spielen ja so viele Faktoren eine Rolle“, sagt Kirsch. Selbst wenn ab September in Deutschland Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern grundsätzlich wieder erlaubt sein sollen, allein die unklare Entwicklung der Pandemie und die damit verbundenen weltweiten Reisemöglichkeiten machen eine Einschätzung der Lage schwer, findet Kirsch.

Zudem stellt sich die Frage nach einem umsetzbaren Hygienekonzept für Sportler und Zuschauer; an die traditionellen abendlichen WM-Partys ist unter den derzeitigen Gegebenheiten gar nicht zu denken.

Dessen ist sich auch die UCI-Kommission bewusst. „Sollte Stuttgart die WM 2020 absagen müssen, könnten wir im Augenblick zumindest die Titelkämpfe für 2021 erneut dorthin vergeben“, bietet Kirsch aus Sicht der UCI eine unbürokratische Lösung an.

Für das kommende Jahr war eigentlich St. Gallen (Schweiz)* im Rennen. „Wir waren in konkreten Vertragsverhandlungen, aber die Organisatoren haben ihr Interesse an der WM 2021 zurückgezogen“, erläutert Kirsch. Und solange nun kein neuer Bewerber auftauche, sieht er Stuttgart – bei einer möglichen Absage 2020 – als Favorit.

*Update 23.5.: In der ersten Version wurde uns versehentlich Winterthur als Anwärter für die WM 2021 genannt.

Wie geht es im UCI-Weltcup weiter?

Auch hier scheinen erste Wettbewerbe frühestens ab September wieder möglich – und auf rein europäischer Ebene eher realisierbar als interkontinental. Alles hängt auch hier von Reisemöglichkeiten, gesetzlichen Vorgaben und Hallenfreigaben ab. 

Mit Svitavka/Tschechien am 20. Juni** (Radball) und Hongkong im August (Kunstrad) sind vorerst allerdings nur zwei Turniere betroffen. Ob die Radball-Weltcups von Winterthur und Wendlingen sowie Komarno (Kunstrad) aus dem Frühjahr nachgeholt werden können, ist fraglich.

**Update 23.5.: In Tschechien ist der Wettkampfsport ab Mitte Juni wieder möglich. Eine Zu- oder Absage zum Weltcupturnier liegt noch nicht vor.

Findet die Radball-Europameisterschaft Elite statt?

Nach vorliegenden Informationen wurde die Elite-EM der Radballer vorerst abgesagt. Sie soll aber 2020 in Darmstadt nachgeholt werden. Wann genau steht noch nicht fest.

Erst am 20. März hatte der Ausrichterverein VC Darmstadt auf seiner Facebook-Seite verkündet, dass man die offizielle Zusage für die Durchführung am 13. Juni erhalten habe. Doch der Termin kann nicht gehalten werden.

Können die Bundesligen im Radball sowie Radpolo fortgesetzt werden?

Laut Patrick Meier, BDR-Koordinator für Radball/Radpolo, könnten diese Ligen fortgesetzt werden, sobald dies möglich sei. Allerdings müsste der Abschluss bis spätestens Anfang Oktober realisiert werden. „Danach gibt es einen starren Zeitplan“, so Meier.

Patrick Meier

Denn zum einen stehen die deutschen Meisterschaften an, die am 16./17. Oktober in Moers ausgetragen werden sollen. Zum anderen starten viele Landesoberligen kurz nach der DM in die neue Saison.

„Die Auf- und Abstiegsfragen müssten deswegen bis dahin geklärt sein“, sagt Meier und ergänzt: „Wir würden gern alle Ligen zu Ende bringen, wenn das geht.“

Die Schwierigkeit bei den Bundesligen: Die unterschiedlichen Gesetzeslagen in den Bundesländern und letztlich die Zuständigkeiten der lokalen Gesundheitsämter. Das macht macht Planungssicherheit derzeit unmöglich.

Hinzu kommen sicher eingeschränkte Hallenkapazitäten, wenn auch andere Sportarten in ihre reguläre Saison einsteigen oder womöglich ebenfalls bisher ausgefallene Wettbewerbe nachholen wollen. Realistisch gesehen wird eine Fortsetzung mit fortschreitender Dauer immer unwahrscheinlicher.

Bleibt also doch nur ein Abbruch oder eine Annullierung der Saison? Wie werden Auf- und Abstieg geregelt, Qualifikationen für DM, WM und Weltcup ausgespielt? Diese Fragen liegen sicherlich bei der nächsten Kommissionssitzung des BDR auf dem Tisch, die im Juni per Videokonferenz stattfinden soll.

Werden die Pokalrunden im Radball sowie Radpolo abgeschlossen?

Hier sieht Patrick Meier eine reale Chance, die Finalturniere in diesem Jahr noch auszuspielen. „Vom Zeitplan sind wir mit den Pokalrunden flexibler und weitaus weniger eingeschränkt“, begründet Meier seine Einschätzung.

Im Radpolo stehen die Endrundenteilnehmerinnen bereits fest, im Radball sind die Halbfinalturniere Mitte März einen Tag vor Ausrichtung abgesagt worden, stehen also noch aus. Es müssten demnach lediglich maximal drei bis vier Termine und Ausrichter gefunden werden.

Wie ist die Planung für die Final-5-Turniere?

„Die Austragung der Final-Five-Turniere steht und fällt mit der Durchführung der Weltmeisterschaft in Stuttgart“, stellt Patrick Meier klar. Wenn die WM abgesagt werden sollte, würde der WM-Qualifikationswettbewerb der Radballer in diesem Jahr wohl gestrichen werden.

Findet die WM statt, hätten die Final-5 Vorrang – was wiederum eine klare Regelung des Bundesliga-Endklassements bedarf, woraus die Startberechtigungen für die WM-Qualifikation hervorgehen.

Wann und wie kann man die Nachwuchs-Meisterschaften nachholen? 

Der Nachwuchs habe im BDR eine hohe Priorität. „Von daher werden wir alles versuchen, um den Kindern und Jugendlichen in diesem Jahr noch eine Meisterschaft anbieten zu können“, betont Patrick Meier.

In welcher Form und unter welchem Namen, das sei noch zu klären. Meier: „Änderungen bei DM-Vergaben muss das BDR-Präsidium treffen. Das  geht auch mit Satzungsfragen einher“, betont der Jurist. Von daher wäre auch die Vergabe von Bundestiteln denkbar, die nicht unter dem Namen „Deutsche Meisterschaft“ laufen.

Solche Wettbewerbe könnte man für die vier Nachwuchs-Altersklassen U13, U15, U17 und U19 durchaus bis zum Ende des Jahres planen und durchführen. Auch Aufsplitterungen in voneinander getrennte Finalrunden seien denkbar.

Hauptaugenmerk liegt für Meier zudem auf der U19. „Denn für die Teams, die in die Eliteklasse wechseln, benötigen wir etwas für die Eingruppierung in die nächste Saison“, betont Meier. Das sei in manchen Landesverbänden festgeschrieben.

Wie geht es im Kunstradfahren weiter?

Bisher liegen dazu noch keine Informationen vor. Die ersten Athleten befinden sich zumindest wieder im Training. Die Durchführung von noch nicht ausgetragenen Landesmeisterschaften und anderen Qualifikationswettbewerben ordnen sich sicher einer DM-Durchführung unter.

Ob die German-Masters-Serie ausgetragen wird, hängt wohl ebenso eng mit einer WM-Durchführung zusammen. Und wie im Radball/polo steht und fällt alles mit bestehenden gesetzlichen Vorgaben sowie den Bedingungen vor Ort.

Zumindest gibt es für das Einer- und Zweier-Kunstradfahren einen ausgearbeiteten Plan, wie Wettbewerbe durchgeführt werden könnten. Ob dieser 2020 umgesetzt werden kann, bleibt zu hoffen. Bei allem gilt aber: Die Gesundheit aller Beteiligten hat jederzeit Vorrang! (Text: st / Fotos: UCI/privat)

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KOMMENTAR: Besser und schneller Informieren

Es ist gut zu wissen, dass sich die verantwortlichen Funktionäre im Hintergrund durchaus Gedanken über den weiteren Verlauf der Saison 2020 machen. Es ist verständlich, dass es eine allgemeine Zurückhaltung mit vorschnellen Entscheidungen gibt. Da sind einfach zu viele Komponenten, die in dieser unberechenbaren Pandemielage eine Rolle spielen und das Planen erschweren.

Viel länger sollte aber keine Seite, weder UCI, BDR, noch Landesverbände oder Ausrichter mit Entscheidungen bzw. Absagen der Wettkämpfe für das zweite Halbjahr im Elite-Bereich warten. Das verschafft Klarheit für die Athleten und gegebenenfalls Freiraum für den Nachwuchs.

Andere Sportarten haben es vorgemacht. Im Amateurbereich wurde fast überall die laufende Saison abgebrochen. Vorreiter waren in der Regel die nationalen Dachverbände. Es gibt genügend Positiv- und Negativbeispiele über den Umgang mit der Titelvergabe sowie Auf- und Abstiegsregelungen in Bundesligen, an denen sich die BDR-Hallenradsportkommission orientieren kann.

Doch egal ob Fortsetzung oder Abbruch, Festhalten an der Durchführung oder Absage – dass es derzeit kaum Informationen über das weitere Vorgehen oder zumindest über Planungsstände gibt, diese allenfalls erst auf Nachfrage erläutert werden, ist unbefriedigend – und leider nicht neu.

Von der Terminabsage der Radball-EM an Darmstadt ist weder auf der Seite des europäischen Verbandes UEC noch auf der des BDR etwas zu finden. Schon über die Vergabe haben Hallenradsport-Fans allenfalls über die Facebook-Seite des Ausrichters erfahren. Meldungen auf den offiziellen Seiten sucht man vergebens.

Dabei hat doch gerade der BDR mit seinem Corona-Ticker auf rad-net.de eine vorbildliche Informationsquelle geschaffen, auf der täglich die neusten Informationen veröffentlich werden.

Wichtig sind jetzt klare Entscheidungen oder Planungen, im Idealfall von oben nach unten, sprich von der UCI über UEC bis hin zum BDR. Denn daran orientieren sich die Landesverbände, Vereine und Sportler*innen.

Ganz wichtig: Beschlüsse oder Pläne müssen dann schnell und breit öffentlich kommuniziert werden. Das gehört dazu, wenn man sich als vermeintliche Randsportart medial besser positionieren will. – Stefan Thomé, hallenradsport.de – 

3 Kommentare

  1. Diese Saison sollte einfach gestrichen und annulliert werden.
    Es macht momentan alles keinen Sinn und der Herbst ist viel zu kurz für alle anstehenden Entscheidungen.

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