Vom 31. Oktober bis 1. November findet die UCI Hallenradsport-Weltmeisterschaft in Ludwigsburg statt. Pro Tag werden bis 2.500 Zuschauer erwartet.
Rund 120 Sportlerinnen und Sportler aus 22 Nationen haben sich für die Titelkämpfe angesagt, die ursprünglich schon vor zwei Wochen in Derby (GBR) stattfinden sollten. Doch die dortigen Ausrichter sagten Anfang September aus organisatorischen Gründen ab.
German Cycling sprang ein und organisierte nun mit dem WM-Ausrichter von 2025 „8Action“ in Rekordzeit die Bühne in Ludwigsburg. Damit geht es für die Radballer und Kunstradfahrer nach 2024 (Bremen) und 2025 (Göppingen) nun zum dritten Mal in Folge nach Deutschland.
Die Gastgeber stellen dabei mit 16 Athleten wieder die größte Delegation. Als einzige Nation sind die Gastgeber wie gewohnt in allen sieben Disziplinen mit der maximalen Starterzahl vertreten.
Gleichzeitig gehört das German-Cycling-Team in allen Entscheidungen zu den Favoriten und Medaillenanwärtern. Allein im Kunstradfahren sind drei Weltrekordinhaber und zwei Titelverteidiger zu finden.
„Wir kämpfen um die Maximalausbeute und möchten zumindest für alle Edelmetall“, gibt der deutsche Kunstrad-Bundestrainer Dieter Maute selbstbewusst als Ziel für seine Schützlinge vor. In allen fünf Kunstrad-Disziplinen sieht der ehemalige fünffache Weltmeister seine Schützlinge in der Favoritenrolle: „Nachdem wir in diesem Jahr schon in drei Disziplinen Weltrekorde erzielt haben, gehen wir als Sieganwärter in die Wettkämpfe.“
1er Frauen: Heimspiel für Lara Füller

Das größte Starterfeld gibt es bei den Einer Frauen mit 24 Fahrerinnen aus 17 Ländern.
Ihre vierte UCI-Weltmeisterschaft wird dabei für die deutsche Lara Füller (RKV Poppenweiler) eine ganz besondere. Die UCI-Weltmeisterin von 2024 verpasste im vergangenen Jahr als Titelverteidigerin die Qualifikation zu ihrer vermeintlichen Heim-Weltmeisterschaft in Göppingen. Damals war sie zumindest als Co-Hallensprecherin aktiv dabei.
Jetzt hat die 27-Jährige eine echte Heim-WM. Denn Poppenweiler ist ein Vorort von Ludwigsburg. „Das ist etwas ganz Besonderes und kommt nur sehr selten vor“, findet Füller und appelliert an die Fans: „Kommt vorbei und lasst euch das nicht entgehen!“
Mit einer erstaunlichen Konstanz eroberte sie neben dem deutschen und europäischen Titel 2026 mit 198,40 Punkten auch den Weltrekord. „Natürlich gehöre ich nach meiner bisherigen Saison 2026 und dem Weltrekord zu den Favoritinnen“, sagt Lara Füller, betont aber: „Wie jeder Wettkampf, bei dem Titel vergeben werden, hat auch die WM ihre eigenen Gesetze.“
Die größte Konkurrentin ist die zweite deutsche Starterin Ramona Dandl (BruckmühI). 2023 wurde sie UCI-Weltmeisterin, verpasste dann aber zwei Jahre in Folge eine WM-Qualifikation. Ihr Ausgangswert liegt nur knapp hinter Füller.
Ebenso hat die Schweizerin Alessa Hotz (Baar) gute Chancen auf einen Sieg. Die amtierende Vize-Weltmeisterin hat mit bisher fünf WM-Teilnahmen zumindest die meiste Erfahrung des Spitzentrios. „Da wir super eng beieinander liegen, wird es sicherlich auf die Tagesform und Kleinigkeiten ankommen, wenn es um den Titel geht“, so Lara Füller.
Um den vierten Finalplatz fighten unterdessen Magdalena Müller (Italien, WM-Vierte 2025), WM-Neuling Sina von Rotz (SUI) und mit etwas Abstand die Österreicherin Franziska Belmega, die bei ihrer ersten WM zudem im Zweier der Elite zusammen mit Marcel Schnetzer ein Duo bildet.
1er Männer: Rapp mit Salto-Abgang auf Titelkurs

Weltmeister Philipp-Thies Rapp (RSV Tailfingen) geht diese Saison auf volles Risko. Er erweiterte seine Kür mit dem Salto-Abgang vom Kehrlenkerstand. In dieser Saison steigerte er den Weltrekord auf 216,53 Punkte. An diese Leistung will er in Ludwigsburg anknüpfen.
Dabei bekommt es der Routinier bei seiner vierten WM-Teilnahme in Folge wieder mit junger Konkurrenz aus dem eigenen Lager zu tun: Simon Halter vom RSV Erlenbach bestreitet seine erste Elite-Saison, wurde auf Anhieb Vize-Europameister und stand bei einem deutschen WM-Qualifikationswettkampf bereits einmal vor Rapp. Mit rund zehn Punkten Vorsprung kann sich Titelverteidiger Rapp aber wohl nur selbst schlagen.
Um die Bronzemedaille fahren zum einen der Vorjahres-Dritte Csaba Varga (HUN) sowie sein Landsmann Martin Schön (HUN), der nach zwei Jahren Pause ein Comeback gibt und vor seiner 17. WM-Teilnahme steht.
Weitere Medaillenanwärter sind Yat Nam Chan sowie Chin Man Wong aus Hongkong.
Bemerkenswert ist indes der erste Start eines Sportlers aus Afrika: Betrand Rukundo aus Ruanda sorgt für diese WM-Premiere. Insgesamt gehen bei den Männern 17 Athleten an den Start.
2er Frauen: Vizemeisterinnen wollen im dritten Anlauf zu Gold

Im Zweier Frauen werden die Karten neu gemischt. Hier treten nur sieben Paare an – so wenige wie zuletzt 2011.
Nach dem Rücktritt der Weltmeisterinnen Antonia Bärk/ Henny Kirst (Bonn-Duisdorf/GER) ist der Weg frei für die zweifachen Vize-Weltmeisterinnen Neele Jodeleit und Kim Leah Schlüter (Knetterheide). Sie gehen in Ludwigsburg mit der höchsten Schwierigkeit als Favoritinnen ins Rennen.
Die ersten Verfolgerinnen sind dabei die Schweizerinnen Larissa Tanner und Simona Lucca (Stäfa/Dürnten). Nach zweimal WM-Bronze in Folge ist Silber das Ziel der nationalen Vizemeisterinnen, die insgeheim auch etwas auf Gold schielen.
Um die Medaillen mitfahren wollen zudem die beiden WM-Neulinge Mira-Sofie Osterhage/ Lillith Tanner (Lieme/Herford – GER) sowie Andrea und Patricia Bernegger (Pfungen/SUI).
2er Elite: Lea Styber nach schwerer Verletzung rechtzeitig fit

Neun Starts sind es in der offenen Zweier-Klasse. Unangefochtene Favoriten sind die Titelverteidiger Nico Rödiger und Lea-Victoria Styber (Langenselbold/GER, Foto). Doch ihre sechste UCI-WM ist wohl gleichfalls die Schwierigste.
Lea hatte sich bei den deutschen Meisterschaften im Abschluss-Training bei einem Sturz einen Bruch im Arm zugezogen. Die Saison schien damit gelaufen. Doch die Verschiebung der WM kam ihr entgegen. Mit viel Disziplin und Fleiß kämpfte sich die Oberfrau im Rekordtempo zurück und kann mit Nico die Titelverteidigung angehen.
Patrick Tisch und Julia Hämmerli (Magstadt/GER) gehen als frisch gebackene deutsche Meister für Deutschland ins Rennen. Für Tisch ist es nach WM-Bronze 2018 zusammen mit Nina Stapf die zweite WM-Teilnahme. Auch Julia hat bereits WM-Bronze gewonnen (2023), allerdings zusammen mit Sina Bäggli im Zweier der Frauen und das für die Schweiz.
Die beiden deutschen Paare wissen, dass sich keine Fehler erlauben dürfen. Denn hinter ihnen lauern drei Leistungsstarke Paare, die zunächst um die Final-4-Plätze fahren.
Die amtierenden Vize-Weltmeister Tsz Hin Jeff und Tsz Leung Ronald Lim aus Hongkong wollen ihren Erfolg von 2025 gern wiederholen. Ihre Landsmänner Chun Wai und Chun Yin Hui wurden bereits zweimal WM-Vierte. Da käme ihnen eine Medaille bei ihrer fünften WM entgegen.
Mit Franziska Belmega und Marcel Schnetzer aus Österreich kommt eine neue Formation dazu. Doch zumindest Schnetzer hat bereits reichlich WM-Erfahrung. Er gewann in den Jahren 2021 und 2022 mit Katharina Kühne zweimal Bronze. Im Einer war Schnetzer seit 2012 bereits zwölfmal bei einer WM am Start, wobei dreimal Rang fünf in den Jahren 2017, 2021 und 2025 seine besten Solo-Platzierungen waren.
Bemerkenswert ist das WM-Comeback von Amirul Saffuan Abd Rahman und Danial Mohd Zulkifli aus Malaysia. Sie standen letztmals bei ihrem WM-Heimspiel 2015 auf dem Parkett und kehren nun überraschend zur WM-Hallenradsportfamilie zurück. Es wird ihre sechste WM-Teilnahme werden.
Vierer Elite: Weltrekordhalterinnen wollen den WM-Thron erobern

In der offenen Vierer-Klasse kommt es zum ewigen Duell zwischen der Schweiz und Deutschland. Mit den besseren Wettquoten dürfte das Quartett aus Deutschland ins Rennen gehen.
Und die Motivation von Tijem Karatas, Annika Rosenbach, Stella Rosenbach sowie Milena Schwarz ist hoch. Nach ihrem WM-Sieg 2022 musste sich die Mannschaft des RV Mainz-Ebersheim dreimal mit Silber begnügen. Als neue Inhaberinnen des Weltrekords (249,71 Punkte) und Europameisterinnen 2026 sind sie einmal mehr in der Favoritenrolle, treffen allerdings erneut auf harte und teils erfahrene Gegnerinnen.
Das neu formierte Team aus Uzwil (Schweiz) folgt in der Startliste zwar mit etwas Abstand. Doch dort fahren die beiden noch amtierenden Weltmeisterinnen Valerie Untermährer und Selina Niedermann nun mit Geraldine Untermährer und Rhea Martinez. Mit einer sehr guten Tagesform können sie Team Germany zumindest unter Druck setzen.
Hongkong und Frankreich werden wie im Vorjahr um Bronze fighten, wobei die Asiatinnen 2025 die Nase vorn hatten. Auch in der Schwierigkeit hat das Quartett Ho, Lam, So und Wong zugelegt und damit Startplatz drei von Frankreich übernommen. Doch die Französinnen Justine Martz, Alice Rieb, Valentine Rieb, Therese Rietsch tankten zumindest bei der EM mit Rang drei Selbstvertrauen.
Für Ungarn gehen indes Pana Bakai, Renata Kovacs, Nikolett Vasas und Vasasne Lengyel erstmals bei einer WM an den Start und werden in erster Linie das dabei sein genießen.
(Text: S. Thomé/GC-medienservice; Fotos: M. Lauterbach/ S. Thomé)
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Tickets sind unter www.uci-hallenrad-wm26.reservix.de erhältlich.
WM-Homepage: rad-wm.com



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